Bioökonomie und Klimaschutz: Kreisläufe neu denken
Wie erneuerbare biologische Ressourcen, Reststoffe und zirkuläre Verfahren zu Klimaschutz und nachhaltiger Wertschöpfung beitragen können.
Die Bioökonomie – ein Modell, das sich auf die Umwandlung erneuerbarer biologischer Ressourcen und Abfälle in neue Produkte konzentriert – gewinnt als entscheidende Strategie zur Bekämpfung des Klimawandels zunehmend an Bedeutung. Da die Welt versucht, den CO2-Ausstoß zu reduzieren und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum zu fördern, bietet die Bioökonomie innovative, umweltfreundliche Lösungen. Doch wie gelingt der Übergang zu einer zirkulären Bioökonomie und welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich daraus?Das Horizon Magazine sprach mit fünf jungen Experten und Aktivisten, die an der Spitze der Bioökonomieforschung stehen. Sie teilten ihre Erkenntnisse darüber, wie dieser transformative Sektor dazu beitragen könnte, den Klimawandel einzudämmen und gleichzeitig die Nachhaltigkeit zu fördern.Aus Abfall neue Produkte schaffen – eine nachhaltige LösungDaria Wohlt, Doktorandin am Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung in Deutschland, betont das Potenzial der Bioökonomie bei der Umwandlung landwirtschaftlicher Abfälle in wertvolle Produkte. Bei Fraunhofer konzentriert sich Daria auf die Suche nach Verwendungsmöglichkeiten für Reststoffe aus der Bananen-, Mango- und Kaffeekirschenproduktion. Sie betont, wie wichtig es ist, Lebensmittelabfälle – wie zum Beispiel Bananenschalen, die normalerweise weggeworfen werden – in innovative, nachhaltige Produkte umzuwandeln. Beispielsweise kann Bananenschalenpüree in essbare Zutaten umgewandelt werden, was sowohl zur Abfallreduzierung als auch zur nachhaltigen Lebensmittelproduktion beiträgt.„Die Bioökonomie bietet uns die Möglichkeit, die Art und Weise, wie wir Ressourcen und Abfälle nutzen, zu überdenken. Es geht nicht nur darum, neue Rohstoffe zu finden, sondern auch darum, die Art und Weise zu optimieren, wie wir das nutzen, was wir bereits haben“, sagt Daria.Die Bioökonomie und ihre Rolle in der KreislaufwirtschaftDr. Silje Steinsholm, Wissenschaftlerin am Norwegischen Institut für Lebensmittel-, Fischerei- und Aquakulturforschung, ist Teil des AQUABIOPRO-FIT-Projekts, das sich auf die Schaffung von Nährwerten aus Meeresnebenprodukten wie Fischköpfen und Knochen konzentriert. Silje erklärt, dass die Bioökonomie der Schlüssel sei, um den wachsenden Bedarf an Ressourcen zu decken und gleichzeitig die Umwelt zu schonen.„Durch die Wiederverwendung von Abfällen aus der Lebensmittel- und Fischereiindustrie können wir wertvolle Produkte herstellen und gleichzeitig die Umweltauswirkungen von Abfällen reduzieren. Es geht darum, alle unsere Ressourcen auf die nachhaltigste Art und Weise zu nutzen“, sagt Dr. Steinsholm.Biobasierte Alternativen vs. Erdölprodukte: Wettbewerb auf dem MarktGabija Imbrasaitė, Medizinstudentin und Gewinnerin des Bioökonomie-Preises 2018, entwickelt essbare Biofilme, um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Gabija plädiert für die Bioökonomie nicht nur als Mittel zur Abfallbekämpfung, sondern auch als wettbewerbsfähige Alternative zu erdölbasierten Produkten, die aufgrund ihrer lang etablierten Lieferketten günstiger sind. Laut Gabija müssen biobasierte Lösungen von Regierungen und Industrien besser unterstützt werden, um mit traditionellen Produkten konkurrieren zu können.„Es ist wichtig zu erkennen, dass die Bioökonomie nicht teurer sein muss. Mit Unterstützung und Entwicklung können biobasierte Technologien nachhaltigere und kostengünstigere Lösungen bieten“, sagt Gabija.Entwicklung biobasierter Materialien als Ersatz für ErdölprodukteDr. Anne-Clémence Corbin, Doktorandin an der École Nationale Supérieure des Arts et Industries Textiles in Frankreich, hat ihre Forschung auf die Entwicklung biobasierter Verbundmaterialien aus Hanffasern konzentriert. Sie betont, dass die Bioökonomie ein wesentlicher Treiber für die Reduzierung des CO2-Fußabdrucks und den Schutz der Umwelt sein kann.„In Zukunft könnten biobasierte Materialien wie Hanfstoffe in vielen Branchen Chemiefasern ersetzen. Die Eigenschaften dieser natürlichen Materialien können genauso konkurrenzfähig sein wie erdölbasierte Produkte, wobei Nachhaltigkeit ihr zentraler Wert ist“, sagt Dr. Corbin.Einbindung junger Menschen in die Bioökonomie-RevolutionJohann Liebeton, Biologiestudent an der Technischen Universität Darmstadt in Deutschland, ist begeistert vom Potenzial der Bioökonomie, insbesondere im Agrarsektor. Johann betont, wie wichtig es ist, junge Menschen in Gespräche über die Kreislaufwirtschaft und ihr Potenzial, positive Veränderungen voranzutreiben, einzubeziehen.„Junge Menschen spielen eine große Rolle bei der Gestaltung der zukünftigen Bioökonomie. Wir müssen verstehen, wie wir eine nachhaltige Landwirtschaft schaffen und Wege für eine effektivere Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie finden können“, sagt Johann.Was muss passieren, damit die Bioökonomie Wirklichkeit wird?Experten sind sich einig, dass wir für das Gedeihen der Bioökonomie größere Investitionen, sektorübergreifende Zusammenarbeit und politische Unterstützung benötigen, um biobasierte Alternativen wettbewerbsfähiger und zugänglicher zu machen. Forschung und Entwicklung spielen eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung biobasierter Lösungen und stellen sicher, dass bioökonomiebezogene Technologien in die gängigen Produktionssysteme integriert werden.Die Experten weisen außerdem auf die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Ansatzes für die Bioökonomie hin, bei dem die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Vorteile biobasierter Lösungen als miteinander verknüpft angesehen werden. Junge Menschen und zukünftige Generationen müssen im Mittelpunkt der Diskussionen über die Gestaltung der zukünftigen Bioökonomie stehen und sicherstellen, dass nachhaltige Praktiken zur Norm und nicht zur Ausnahme werden.Schlagwörter: Bioökonomie, Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft, erneuerbare Ressourcen, Wertschöpfung durch Abfall, Umweltauswirkungen, grüne Technologien, biobasierte Materialien, Landwirtschaft und Bioökonomie, Reduzierung von Lebensmittelabfällen, Reduzierung des CO2-Fußabdrucks, zirkuläre Bioökonomie, Engagement der Jugend